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Barcelona

Seny i Rauxa a Barna

Bienvenidos a Barcelona! Herzlich willkommen an meinem persönlichen place to be.
Es folgt: Eine Liebeserklärung an die fabelhafteste Stadt der Welt.

Me dedicaba a vagabundear por Barcelona, desde la plaza Cataluña hasta el paseo Colón, desde el Paralelo hasta la Vía Layetana, tomando cafés en las terrazas, tapas de calamar y vino en las tabernas.

Ich bin durch Barcelona geschlendert, vom Plaza Catalunya zum Kolumbus Denkmal, von der Parallele zur Via Layetana. Ich habe Kaffee auf den Terrassen getrunken und Calamares und Wein in den Tavernen gehabt.
Roberto Bolaño (aus Los detectives salvajes), Schriftsteller

Ich erinnere mich noch gut daran, das allererste Mal nach Barcelona zu kommen. Da stehe ich nun, gegen 23:00 Uhr bei 27 Grand und einer unglaublichen Luftfeuchtigkeit, am Plaza Catalunya und hiefe mein Gepäck aus dem Aero Bus. Der Flughafenbus, der mich vom Terminal direkt ins Stadtzentrum gebracht hat, war praktisch leer. Hier ist es jetzt grade voll, sehr voll sogar. Überall wuseln vornehmlich junge Menschen. Und mir fällt es schwer, mich zu orientieren. Eigentlich kann mein neues Zuhause für das kommende Jahr nicht weit sein, aber ich nehme wohl doch besser ein Taxi!?…

Von novena barca zu Barcelona

Man munkelt, dass Herkules den Grundstein für das heutige Barcelona gelegt hat. Er soll nach einem starken Unwetter förmlich an die iberische Mittelmeerküste gespült worden sein. Ein großer Teil seiner Gefolgschaft zerschellte damals mit ihren Booten an dem Berg Mont Jovis, dem späteren Montjuïc. Nachdem Herkules Schiffbruch erlitt, stieg er also auf eben diesen Berg und ließ seinen Blick schweifen. Mit dem Ergebnis, in dieser Region eine Kolonie gründen zu wollen. Obwohl sich hier wissenschaftliche Geschichtsschreibung und poetische Legende vermischen ist eins klar. Der Kern des historischen Barcelona lag einst auf dem flachen Bergrücken der Táber. Eine Erhöhung, die unter dem gotischen Barcelona verschwand. Die Siedler waren, der Überlieferung nach, die Überlebenden des neunten Schiffes „novena barca“. Woraus im Laufe der Zeit barca novena, barca nona, barcinona und schlussendlich Barcelona wurde.

Möchte man in Barcelona allerdings nicht direkt als Tourist entarnt werden, nennt man die Stadt jedoch Barna, wie es die Einheimischen tun.

Montjuïc – Der Hausberg Barcelonas

Heute thronen auf dem Berg, der Herkules einst zum kentern brachte, die Überreste einer Festung. Der damals dort verortete Leuchturm, von dem aus Fischerboote mit Leuchtzeichen vor den todbringenden Klippen gewarnt wurden, wurde 1640 zu einer Burg ausgebaut, um sich vor der Eroberung des spanischen Königs Philipp IV zu schützen. Vergeblich, wie man heute weiß. Katalonien verlor den Krieg und musste sich der spanischen Krone unterwerfen. Zu Gunsten eines Friedensvertrags mit dem Nachbarland wurde alles, was jenseits der Pyrenäen lag, an Frankreich abgetreten.

Seit jeher finden die staatlichen Interessen von Spanien und Frankreich zwar gegenseitige Berücksichtigung. Das kulturelle Erbe der Grenzregion Katalonien wird dabei jedoch gänzlich vernachlässigt. Bis heute führt dieser Umstand vor allem innerhalb Spaniens immer wieder zu gesellschaftlichen und politischen Spannungen. Während die Katalanen ihre spanisch-französische Identität wahren und am liebsten unabhängig vom Rest sein wollen, plädiert die madrider Regierung für die Einheit Spaniens.
Doch die Katalanen halten an ihrer Kultur fest. Die Nähe der katalanischen Sprache und Küche zu der französischen ist bis heute unverkennbar.

…Ich sitze in meinem ersten Kurs an der Universitat Autònoma de Barcelona. „Introducciò a les tecnologies de la traducciò i de la interpretaciò“ – ein IT-Kurs, bei dem es um computergestützte Übersetzung geht. Neben meinen ganzen Sprach- und Übersetzungsseminaren, die mich sicher noch einiges an Arbeit kosten werden, ist Computer-Kram eine eher leichte Kost für mich. Denke ich – bis mir klar wird, warum dieser Kurs außschließlich (und keineswegs versehentlich) mit katalanischem Titel angeboten wird…

Während und nach dem Bürgerkrieg wurde die Burg auf dem Gipfel des Montjuïc als Verließ für politische Gefangene genutzt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte eine sukzessive Umgestaltung mit der Anlage weitläufiger Parks ein. Später folgte der Ausbau des Weltausstellungsgeländes von 1929. Übrigens verdankt Barcelona unter anderem die neoklassizistische Monumentalarchitektur des heutige Museo de Arte de Catalunya diesem Ereignis. Sein entgültiges Gesicht bekam der Montjuïc mit dem Bau von Sportstätten und der Fundació Joan Miró (von Joseph Lluís Sert).

chezjuli-barcelona
Photo by Bruno Martins

Heute blickt der Berg auf der einen Seite auf die Altstadt zu seinen Füßen. Der andere Teil richtet sich gen Meer und beherbergt Grabnischen und Mausoleen.

…Die Fahrt in der Seilbahn vom Hafen auf den Montjuïc ist das schönste, was ich bis jetzt in Barcelona erlebt habe. Die Aussicht über die Stadt und raus aufs Meer ist fantastisch! Die Burg Ruine und Parkanlagen auf dem Berg sind vor allem im Sonnenuntergang so romantisch und atmosphärisch, dass ich mich kaum lossagen kann. Ich liebe die lauen Spätsommer-Nächte in Barcelona, in denen ich mich einfach treiben lassen kann. Und so laufe ich zufuß, begleitet von einem sagenhafen Blick, vorbei an den Sportstätten Richtung Plaza Espanya den Montjuïc hinunter.

Entre mar y montaña

Nur wenige Städte der Welt haben solch ein geografisches Privileg, wie Barcelona. Die Stadt besitzt nicht nur natürliche Aussichtspunkte, auch die Himmelsrichtungen lassen sich von der Umgebung ablesen. So orientiert sich Barcelona zum einen am Mittelmeer und den beiden Flüssen Besòs und Llobregat und zum anderen am Gebirge im Norden der Stadt, das vom Tibidabo beherrscht wird.

Der Tibidabo

Der knapp 542 Meter hohe Berg gehört zur Gebirgskette Serra de Collserola. Auf dem Gipfel befindet sich neben einer impulsanten Kirche ein altertümlicher Freizeitpark, der auch heute noch in Betrieb ist.

Photo by Andrea Enríquez Cousiño
Photo by Xavi Cabrera

Eine kuriose Mischung aus Seny i Rauxa – was übrigens in katalanischer Sprache so viel bedeutet, wie „Vernunft und Rausch“.

Photo by Biel Morro

…Wenn ich so durch die Straßen von Barcelona schlendere, fällt mir immer wieder die harmonische Verbindung von Stadt und Natur auf. Seit ich hier bin, hänge ich unglaublich gerne in den wunderschönen Parks rum. Aber was mich am meisten begeistert, ist einfach die Lage. Denn für mich gibt es nichts (im wortwörtlichen Sinne) befreienderes, als einen freien Blick. Und dazu prädestiniert ist eben nicht nur eine Dachterrasse im Barrio Gótico, sondern auch mar y montaña…

Gaudís Wunderland – der Park Güell

Barcelona bietet eine riesige Auswahl an wunderschönen Parkanlagen. Einer der sehenswertesten ist definitiv der Park Güell. Dieser Park Antonio Gaudis gehört zu den bedeutensten Kunstschätzen der Welt. In den Jahren 1900 bis 1914 arbeitete der spanische Architekt unermüdlich an dem rund 17,18 ha großen Gelände. Aber auch hier (wie ebenso beispielsweise bei der Sagrada Familia) holte ihn der Fluch des Unvollendeten ein, der auf seinen Kunstwerken liegt. Die fantasievolle Umformung und Modellierung der Natur durch Gaudí schafft eine Atmosphäre, die unbeschreiblich ist. Ursprünglich sollte auf dem Gelände eine ganze Parkstadt entstehen.

„Das Ganze ist ein großartiges Schauspiel: Architektur und Landschaft durchdringen einander auf wunderbare Weise in einer genialen Schöpfung expressiver Räume; […].“

Oriol Bohigas (Architekturtheoretiker)

Als Portier empfängt ein bunter Drache jeden Besucher im Park und entlässt ihn direkt in die Halle der hundert asymmetrischen Säulen. Ihre Decke ist verziert mit Mosaiken aus Porzellan Puppen, gesprungenen Tellern und Kristallgläsern – das Abbild einer am Meeresgrund versunkenen Kathedrale.

Photo by Makenna Entrikin

Über dieser Decke befindet sich die mediterrane Plaza. Ein Platz der von einer geschwungenen, in Wellen rundlaufenden Bank eingefasst wird. Auch hier finden sich die typischen Mosaike wieder. Dieser künstlich angelegte Aussichtspunkt hat einen unverkennbaren Wiedererkennungswert und prägt diese surrealistische Insel, die Gaudí der Stadt hinterließ.

…Ich komme sooo gerne in den Park und genieße einfach dieses Wunderland und die Atmosphäre. Allerdings nehme ich den Hintereingang (ganz bequem über die Rolltreppe, zum Beispiel über die Baixada de la Gloria), um den Touristenströmen weitestgehend aus dem weg zu gehen. Manchmal picknicke ich, aber manchmal sitze ich auch einfach nur da und bilde mir ein, dass das Licht hier ganz besonders leuchtet. Seit einigen Jahren wachsen die Zahlen an Besuchern und an mit ihnen kommenden fliegenden Händlern jedoch so rasant, dass ich mit Wehmut beobachte, wie dieses Wunderland langsam seinen Zauber verliert…

Las Ramblas – ein Touristen Hot Spot

Die Las Ramblas de Barcelona (oder Les Rambles, wie sie auf Catalan heißt) ist wohl die bekannteste Promenade Europas und ein echter Touristen-Magnet. Sie macht ihrem Namen alle Ehre, wenn sich in der Hochsaison ganze Menschenströme aus dem Zentrum der Stadt Richtung Wasser schieben.
„La rambla“ wird im Spanischen ein „wildes Flussbett“ genannt, durch das Schmelzwasser abfließt. Das Wort stammt eigentlich aus dem Arabischen, wo „Rambla“ so viel wie „sandiges Flussbett“ bedeutet. Auf fast 2 km Länge lässt es sich von der Plaza Catalunya bis hin zum Kolumbus Denkmal am Hafen schlendern, oder eben drängeln. Von Musikanten über Maler bis zu lebenden Statuen, präsentieren sich unzählige Künstler für ein gemeinsames Fotos oder ein Geschäft mit den zahlenden Touristen.

Photo by Y Heng
Beim Spaziergang im Schatten der Platanen warten (auch andere) Artisten auf ihren Einsatz.

Aber beim Spaziergang im Schatten der Platanen warten auch andere Künstler auf ihren Einsatz. Die sogenannten „rateros“ sind Trickdiebe, die sich vor allem in der Hochsaison auf der Rambla nur so tummeln. Die Blumenmädchen sind nicht nur schnell dabei eine Rose zu verschenken, sondern auch besonders geschickt darin Wertgegenstände zu entwenden. Und auch der sportliche Ronaldinho ist meist nicht nur flink mit den Füßen. Er grätscht sein Opfer an und beklaut es im gleichen Moment. Hinter diesen Betrügern stehen ganze Banden, mit denen die spanische Polizei seit Langem zu kämpfen hat. Am besten schützt man sich, indem man keinen auffälligen Schmuck trägt, seine Wertgegenstände nicht offen zeigt und aufmerksam bleibt.

Barcelona ist kein homogenes Ganzes

Barcelonas Gesellschaft setzt sich aus verschiedensten Schichten und teils widersprüchlichen Aspekten zusammen. Eine Stadt des liberalen und individualistischen Mittelstands, die stets im ethischen und kulturellen Spannungsfeld steht – im Konflikt zwischen Tradition und Fortschritt. Eine vieldimensionale Stadt, die sich in ihrem Drang nach Selbstorientierung immer wieder neu erfindet – in einem stetigen Prozess, wie ein Perpetuum Mobile, das aus sich heraus die Kraft entwickelt, sich immer wieder selbst anzutreiben.

Eine künstlerische Arbeit, die versucht diese wunderbare Stadt einzufangen, ist das wirklich gelungene Video ‚Chase The Dream: Barcelona‘ von Alexandru Costin.

Auch sehr schön, um sich einen Eindruck von der Stadt zu verschaffen, ist das Timelaps-Video ‚Barcelona 2014/2016‘ von Artem Pryadko.

Jugendstil

Die Stadt Gaudís, die von der größten Anzahl an Weltkulturerben des Jugendstils geprägt ist.

Ay, Barcelona, dijo con la voz rota por la emoción, ¡que bonita es!

Eduardo Mendoza, Schriftsteller

Feiertage in Barcelona – Sant Jordi

Der Diada de Sant Jordi ist eine wunderbare Gelegenheit nach Barcelona zu reisen! Denn jedes Jahr am 23. April ist die Stadt anlässlich der Feierlichkeiten so schön geschmückt, wie nur selten. Rote Rosen säumen die Häuserfassaden und Straßenzüge und die Menschen beschenken sich gegenseitig mit Blumen und Büchern. Aber warum?

Der Feiertag des heiligen Georg geht auf eine alte Legende zurück, nach der ein Ritter namens Jordi die Tochter des Königs vor einem Drachen beschützte. Er rammte dem Drachen mutig sein Schwert in die Brust, woraufhin dieser verblutete. Die Prinzessin war gerettet und aus dem Blut des Drachen erwuchs eine wunderschöne rote Rose.

Als Symbol für das Weiterleben dieser tief in der katalanischen Kultur verankerten Legende, tauschen Paare an diesem Tag Bücher (für die Männer) und Rosen (für die Frauen) aus.

Lo bueno de Barcelona es que exsite una graciosa fiesta en la que la gente intercambia libros por rosas. Es una especie de día de los enamorados pero en lugar de ir al cine las parejas se van de compras a una librería.

Gabriela Wiener, Schrifstellerin (studierte in Barcelona)

Aber der Diada de Sant Jordi ist mittlerweile nicht nur in Katalonien von Bedeutung. Am 23. April wird seit 1995 ausserdem der Welttag des Buches gefeiert. Ein weltweiter Aktionstag, der zum Lesen und Schreiben annimieren soll.

Esskultur in Barcelona

When we finally came back to Barcelona about ten o’clock in the evening they said, now we will have an apéritif and then we will eat dinner.

Gertrude Stein, Schriftstellerin

Wenn ich über Barcelona schreibe, schreibe ich nicht aus der Perspektive einer Touristin. Ich bin nie in die Stadt gekommen um Sehenswürdigkeiten wie die Sagrada Familia oder den Park Güell zu bestaunen. Ich schreibe über eine spanische Stadt am Mittelmeer aus der Sicht einer Bewohnerin, die diesen gradezu magischen Ort so sehr lieben gelernt hat.

LOVE: J.

4 Kommentare

    • Ja, Barcelona ist wirklich eine wunderbare Stadt! Hast du auch eine Lieblinsstadt, in die es dich ständig zieht?

  1. Uiii, mir gehts gleich. Ich war 5 Tage in Barcelona und kanns kaum erwarten wieder dort hin zu reisen 🙂 Diese Stadt ist ein Traum, ich liebe es 🙂

    • Und, wann ist denn wieder soweit? Vielleicht sehen wir uns dann da. 😉

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