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Barcelona – Seny i Rauxa

Ich schreibe hier über Barcelona - nicht aus der Perspektive einer Touristin, die in die Stadt gekommen ist, um Sehenswürdigkeiten, wie die Sagrada Familia oder den Park Güell zu bestaunen. Ich schreibe über die spanische Stadt am Mittelmeer aus der Sicht einer Einwohnerin, die diesen gradezu magischen Ort zu lieben gelernt hat.

Herkules, der Gründervater

Man munkelt, dass Herkules den Grundstein für das heutige Barcelona legte. Denn er soll es gewesen sein, der nach einem starken Unwetter förmlich an die iberische Mittelmeerküste gespült wurde. Ein großer Teil seiner Gefolgschaft zerschellte mit ihren Booten an dem Berg Mont Jovis, der später den Namen Montjuïc tragen wird.

Von novena barca zu Barcelona

Nachdem Herkules Schiffbruch erlitt, stieg er also auf den nächstgelegenen Berg und ließ seinen Blick schweifen - mit dem Ergebnis, in dieser Region eine Kolonie gründen zu wollen. Die Siedler waren, der Überlieferung nach, die Überlebenden des neunten Schiffes „novena barca“. Woraus im Laufe der Zeit barca novena, barca nona, barcinona und schlussendlich Barcelona wurde.
Hier vermischen sich jedoch wissenschaftliche Geschichtsschreibung und poetische Legende. Sicher ist nur, dass sich der Kern des historischen Barcelona einst auf dem flachen Bergrücken des Táber befunden hat. Dieser verschwand als erster unter dem gotischen Barcelona.

Montjuïc - Der Hausberg Barcelonas

Heute thronen auf dem Montjuïc die Überreste einer Festung. Einst handelte es sich hierbei jedoch nur um einen Leuchtturm, von dem aus Fischerboote mit Leuchtzeichen vor den todbringenden Klippen, die einst auch Herkules' Verhängnis waren, gewarnt wurden.

Barcelona rüstet sich für den Krieg

1640 wurde der einstige Leuchtturm zu einer Burg ausgebaut, um sich vor der Eroberung des spanischen Königs Philipp IV zu schützen. Vergeblich, wie man heute weiß. Katalonien verlor damals den Krieg und musste sich der spanischen Krone unterwerfen. Zu Gunsten eines Friedensvertrags wurde alles, was jenseits der Pyrenäen lag, an Frankreich abgetreten. Seit jeher finden die staatlichen Interessen von Spanien und Frankreich Berücksichtigung, wobei jedoch das kulturelle Erbe der Grenzregion Katalonien vernachlässigt wird. Trotzdem ist die Nähe der katalanischen Sprache und Küche zu der Französischen bis heute unverkennbar. Die Katalanen halten an ihren Traditionen fest, was immer wieder zu gesellschaftlichen und politischen Spannungen im Land führt.

Während und nach dem Bürgerkrieg wurde die Burg auf dem Gipfel des Montjuïc als Verließ für politische Gefangene genutzt.

Der Berg verliert seinen Schrecken

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte eine sukzessive Umgestaltung, mit der Anlage weitläufiger Parks, ein. Später folgte der Ausbau des Weltausstellungsgeländes von 1929. Übrigens verdankt Barcelona unter anderem die neoklassizistische Monumentalarchitektur des heutige Museo de Arte de Catalunya, diesem Ereignis. Sein entgültiges Gesicht bekam der Montjuïc mit dem Bau von Sportstätten und der Fundació Joan Miró (von Joseph Lluís Sert).

Die eine Seite des Berges blickt auf die Altstadt zu seinen Füßen. Der andere Teil richtet sich gen Meer und beherbergt Grabnischen und Mausoleen.

 

Harmonische Verbindung von Natur und Stadt

Nur wenige Städte der Welt haben solch ein geografisches Privileg, wie Barcelona. Die Stadt besitzt nicht nur natürliche Aussichtspunkte, auch die Himmelsrichtungen lassen sich von der Umgebung ablesen. So orientiert sich Barcelona zum einen am Mittelmeer und den beiden Flüssen Besòs und Llobregat und zum anderen am Gebirge im Norden der Stadt, das vom Tibidabo beherrscht wird.

Der Tibidabo

Der knapp 542 Meter hohe Berg gehört zur Gebirgskette Serra de Collserola. Auf dem Gipfel befindet sich neben einer impulsanten Kirche ein altertümlicher Freizeitpark, der auch heute noch in Betrieb ist.

 

Parks mit mediterraner Atmosphäre

Barcelona bietet einen riesige Auswahl an wunderschönen Parkanlagen. Zu den sehenswertesten gehören, neben dem bereits erwähnten rund um Montjuic und Tibidabo: Cal-Borni-Park (in Vallvidrera), Parks des königlichen Palastes (in Perdralbes), Plaza de Francesc Macià vor dem Turó-Park Hotel, auf dem Putget, Plaza Gaudí.

Park Güell - Parkanlage von einzigartiger Schönheit

Dieses Werk Gaudis gehört zu den bedeutensten Kunstschätzen der Welt. In den Jahren 1900 bis 1914 arbeitete Antoni Gaudí unermüdlich an dem rund 17,18 ha großen Gelände. Aber auch hier holte ihn der Fluch des Unvollendeten ein, der auf Gaudís Kunst liegt. Denn ursprünglich sollte hier eine ganze Parkstadt entstehen. Die fabelhafte Umformung der Natur durch Gaudís Architektur schafft eine Atmosphäre, die unbeschreiblich ist.

„Das Ganze ist ein großartiges Schauspiel: Architektur und Landschaft durchdringen einander auf wunderbare Weise in einer genialen Schöpfung expressiver Räume; das ungewöhnliche Keramikdekor von J.M. Jujol nahm erstaunlicherweise die großen Entdeckungen der modernen Skulpturen von der Collage und der geometrischen Abstraktion bis zur surrealistischen Neuentdeckung des alltäglichen Gegenstands vorweg.“
Zitat von Oriol Bohigas (Architekturtheoretiker)

Als Portier empfängt ein bunter Drache jeden Besucher im Park und entlässt ihn direkt in die Halle der hundert asymmetrischen Säulen. Ihre Decke ist verziert mit Mosaiken aus Porzellan Puppen, gesprungenen Tellern und Kristallgläsern - das Abbild einer am Meeresgrund versunkenen Kathedrale.
Über dieser Decke befindet sich die mediterrane Plaza. Ein Platz der von einer geschwungenen, in Wellen rundlaufenden Bank eingefasst wird. Auch hier finden sich die typischen Mosaike wieder. Dieser künstlich angelegte Aussichtspunkt hat einen unverkennbaren Wiedererkennungswert und prägt diese surrealistische Insel, die Gaudí der Stadt hinterließ.

Die Rambla ist ein Touristen Hot Spot

Die Las Ramblas de Barcelona (oder Les Rambles, wie sie auf Katalisch heißt) ist wohl die bekannteste Promenade Europas und ein echter Touristen Magnet. Sie macht ihrem Namen alle Ehre, wenn sich in der Hochsaison ganze Touristenströme aus dem Zentrum der Stadt Richtung Wasser schieben.

Denn was bedeutet Rambla eigentlich?

„La rambla“ wird im Spanischen ein „wildes Flussbett“ genannt, durch das Schmelzwasser abfließt. Das Wort stammt eigentlich aus dem Arabischen, wo „Rambla“ so viel wie „sandiges Flussbett“ bedeutet. Auf fast 2 km Länge lässt es sich von der Plaça de Catalunya bis hin zum Columbus-Denkmal am Hafen schlendern. Von Musikanten über Maler bis zu lebenden Statuen, präsentieren sich zahllose Künstler für ein gemeinsames Fotos oder ein Geschäft mit den zahlenden Touristen.

Beim Spaziergang im Schatten der Platanen warten (auch andere) Artisten auf ihren Einsatz.

Die sogenannten „rateros“ sind Trickdiebe, die sich vor allen in der Hochsaison auf der Rambla nur so tummeln. Die Blumenmädchen sind nicht nur schnell dabei eine Rose zu verschenken, sondern auch besonders geschickt darin Wertgegenstände zu klauen. Und auch der sportliche Ronaldinho ist meist nicht nur flink mit den Füßen. Er grätscht sein Opfer an und beklaut es im gleichen Moment. Hinter diesen Betrügern stehen ganze Banden, mit denen die spanische Polizei seit Langem zu kämpfen hat. Am besten schützt man sich, indem man keinen auffälligen Schmuck trägt, seine Wertgegenstände nicht offen zeigt und aufmerksam bleibt.

Barcelona ist kein homogenes Ganzes

Barcelonas Gesellschaft setzt sich aus verschiedensten Schichten und teils widersprüchlichen Aspekten zusammen. Eine Stadt des liberalen und individualistischen Mittelstands, die stets im ethischen und kulturellen Spannungsfeld steht – im Konflikt zwischen Tradition und Fortschritt. Eine vieldimensionale Stadt, die sich in ihrem Drang nach Selbstorientierung immer wieder neu erfindet – in einem stetigen Prozess, wie ein Perpetuum Mobile, das aus sich heraus die Kraft entwickelt, sich immer wieder selbst anzutreiben.

Eine künstlerische Arbeit, die versucht diese wunderbare Stadt einzufangen, ist das wirklich gelungene Video 'Chase The Dream: Barcelona' von Alexandru Costin.

Auch sehr schön, um sich einen Eindruck von der Stadt zu verschaffen, ist das Timelaps-Video 'Barcelona 2014/2016' von Artem Pryadko.

Eine super schöne Seite rund um Barcelona-Lifestyle ist Friede Freude & Eierkuchen von der bewundernswerten Jenni. Unbedingt einen Besuch wert!

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4 Kommentare

    • Ja, Barcelona ist wirklich eine wunderbare Stadt! Hast du auch eine Lieblinsstadt, in die es dich ständig zieht?

  1. Uiii, mir gehts gleich. Ich war 5 Tage in Barcelona und kanns kaum erwarten wieder dort hin zu reisen 🙂 Diese Stadt ist ein Traum, ich liebe es 🙂

    • Und, wann ist denn wieder soweit? Vielleicht sehen wir uns dann da. 😉

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