Zum Inhalt springen

Interkulturelle Kommunikation

Wie aus kulturellen Überschneidungssituationen Verständnis erwächst

Interkulturalität ist ein zentrales Thema unserer Zeit, denn moderne Gesellschaften sind geprägt von der Globalisierung und dem Zusammenleben und -arbeiten verschiedenster Kulturen auf engem Raum.

Je größer die Distanz zwischen Eigen- und Fremdkultur ist, desto geringer sind meist die Überschneidungssituationen. So bezog man lange Zeit sein Wissen über fremde Kulturen in der Regel aus Hörfunk und Fernsehen. Doch die Welt rück näher zusammen und der persönliche oder berufliche Kontakt zu Menschen anderer Herkunft wächst. Nachvollziehbar, dass da, wo bereits die Kommunikation zwischen Menschen mit gleichem kulturellen Background schwierig sein kann, von kulturspezifischen Eigenheiten geprägte Kommunikation zu einer echten Herausforderung wird. Und was auf zwischenmenschlicher Ebene unangenehm ist, kann im Job schnell zum echten Problem werden. Denn wer von seinen Stereotypen und seiner egozentrische Sichtweise nicht abrücken will, wird in interkulturellen Verhandlungen mit Sicherheit scheitern.

Interkulturell kommunizieren

Voraussetzung für eine gelungene interkulturelle Kommunikation ist zweifelsohne das Wissen um die andere Kultur und deren Besonderheiten. Beispielsweise im Bezug auf Begrüßungsrituale, Körperdistanz oder die Bedeutung eines Lächelns. Dieses Know-how wird allgemein auch als interkulturelle (Handlungs-)Kompetenz bezeichnet. Also als die Fähigkeit, mit der anderen Kultur produktiv in Interaktion zu treten. Was ein hohes Maß an Anpassung und Verständnis voraussetzt.
Unter anderem beschreibt Hatzer in seinem Konzept zu interkulturellen Kompetenzen vier wichtige Persönlichkeitsmerkmale, Indikatoren eines interkulturellen Kompetenzprofils also (vgl. Hatzer, B. 2002: Erfassung interkultureller Handlungskompetenz unter Berücksichtigung der lernpsychologischen Basisannahme des Situated Learning, Universität Regensburg).

  • Wahrnehmungssensitivität
  • Orientierungswissen
  • Handlungswissen
  • Lernmotivation und Lernfähigkeit

Stereotype und Vorurteile

Stereotype und Vorurteile lassen sich, ganz leicht gesagt, darauf zurückführen, dass wir Menschen zur Kategorisierung neigen. So versuchen wir, unsere Umwelt zu vereinfachen und deren Komplexität zu reduzieren. (Ein sehr interessanter Ansatz in diesem Zusammenhang ist übrigens der des vernetzten Denkens!) „Der Mechanismus der Schematisierung dient also dazu, die soziale Umwelt zu erfassen, zu ordnen und zu systematisieren.“, so der Sozialpsychologe Tajfel. Und weiter: „[Der Mensch] wird eine umso stereotypisiertere Vorstellung von Ausländern haben, je weniger ihm dessen Kultur bekannt ist.“ Forschungen ergeben, dass vor allem dieses Phänomen negativen Einfluss auf die Ausbildung interkultureller Kompetenzen und damit die interkulturelle Kommunikation hat. Besonders Gruppen oder (Projekt-)Teams neigen stark zu dieser Kategorisierung. Der Forscher Tajfel vertritt dazu die Annahme, dass eine Art allgemeine soziale Einstellung bedingt, „die In-Group der Out-Group vorzuziehen, unabhängig davon, welche Beziehungen die Gruppen, objektiv betrachtet, miteinander unterhalten“ (vgl. Tajfel, H 1982: Soziale Kategorisierung, soziale Identität und sozialer Vergleich, Huber Verlag).

Konflikte in interkulturellen Kommunikationssituationen

Menschen verschiedener Kulturkreise und Sozialisation unterscheiden sich meist in ihren Erwartungshaltungen und Zielen. Vor allem zwischen aufgabenorientierten Kulturen (Nordwesteuropa, USA) und beziehungsorientierten Kulturen (Asien) kann es in der Zusammenarbeit zu Irritationen kommen. Denn Teams werden nach unserer westlichen Auffassung zum Informationsaustausch gebildet, während vor allem in den östlichen Teilen der Welt Teambildung eher als eine vertrauensbildende Maßnahme angesehen wird, durch die Kontakte und soziale Beziehungen gepflegt werden. Für diese unterschiedliche Werteorientierung sollte man sensibilisiert sein, wenn die interkulturelle Verständigung gelingen soll.
Weitere Stolpersteinen können sein:

  • Nonverbale Kommunikation -> Handlungen und Gesten, die in anderen Kulturen unterschiedlich gedeutet werden
    (Beispielsweise gilten die linke Hand und die Schuhsohlen in arabischen Ländern als unrein und sollten seinem Gegenüber nie direkt gezeigt werden. Auch die Körperdistanz ist zum Beispiel in Deutschland viel größer, als in Spanien.)
  • Geschlechterrollen
    (Die Rolle der Frau beispielsweise ist in islamisch geprägten Kulturen eine andere, als in christlichen.)

Lernt euch kennen!

Alltägliches Handeln kann, in der Konfrontation mit fremden Verhaltensweisen und Konventionen, auf Unverständnis oder gar Ablehnung stoßen. Erfolgreiche interkulturelle Kommunikation bedarf also der besonderen Fähigkeit zur Bewältigung interkultureller Überschneidungssituationen. Der Erwerb interkultureller Kompetenzen ist dabei als Lernprozess zu sehen, bei dem Erfahrungen mit anderen Kulturen immer wieder sensibel reflektiert und verarbeitet werden. Dabei ist es wichtig, um die generelle Kulturgebundenheit menschlichen Verhaltens zu wissen und diese zu akzeptieren. Kulturelle Muster wertungsfrei wahrzunehmen und sich mit Respekt und Empathie zu begegnen.

Das Wissen um andere Kulturen und die daraus erwachsende soziale Kompetenz ist keineswegs mehr nur Handwerkszeug international agierender Topmanager, sondern eine Grundvoraussetzung und absolute Bereicherung für unser tägliches Leben.

LOVE: J.

Dich interessiert das Thema? Dann schau Dir doch auch mal meinen Beitrag „Interkulturalität – Was ist das eigentlich?“ an.

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

    vier × 3 =