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Interkulturelle Fernsehformate in der deutschen Medienlandschaft

Welche Bedeutung haben interkulturelle Fernsehformate in Deutschland?

Im Zentrum vieler wissenschaftlicher Disziplinen steht das Interesse an interkultureller Kommunikation. Beispiele hierfür sind Literaturwissenschaft, Geschichte, Anthropologie, Soziologie, Kulturwissenschaft, Sprachwissenschaft, Pädagogik, Psychologie oder Betriebswirtschaft. Aber auch medienwissenschaftlich wird der Dialog unterschiedlicher Kulturen vielseitig analysiert. Hier spielt die Sprache im interkulturellen Kontext, die Problematik der Verständigung und Fremdheitswahrnehmung sowie das Potenzial von Lernprozessen mittels interkultureller Medien eine wichtige Rolle.

Interkulturalität im medialen Kontext

Die Erforschung dieser Gebiete gewinnt in Zeiten der Globalisierung und zunehmender transkultureller Kontakte immer mehr an Bedeutung, denn Begegnungen verschiedener Kulturen bergen Konfliktpotenziale. Alltägliches Handeln kann, in der Konfrontation mit fremden Verhaltensweisen und Konventionen, auf Unverständnis oder Ablehnung stoßen. Stetig wachsende multikulturelle Gesellschaften werden daher regelmäßig kontrovers diskutiert.

Dies führt dazu, dass sich die deutsche Medienlandschaft zunehmend mit der Thematik befasst. Dabei kommt vor allem dem Fernsehen, als Massenmedium mit einem großen Rezipientenkreis, im Hinblick auf interkulturelle Kommunikation besondere Bedeutung zu. Einige Fernsehsender haben interkulturelle Formate entwickelt und werden sogar für deren integrativen Charakter ausgezeichnet.

Dem Fernsehen kommt besondere Bedeutung zu

Ein populäres Beispiel für die mediale Aufbereitung interkultureller Thematiken ist das Fernsehformat Karambolage, welches seit Januar 2004 von dem paneuropäischen Kanal ARTE produziert und ausgestrahlt wird. Karambolage erläutert spielerisch und humorvoll die Welt der deutsch-französischen Eigenarten und wirft in kurzen Rubriken einen zuweilen auch kritischen Blick auf die Alltagsmythen der beiden Kulturen. Bereits 2006 wurde der Chef-Redakteurin der Sendung, Claire Doutraix, der Adolf-Grimme-Preis in der Kategorie „Spezial“ verliehen. Mit der Vermittlung deutscher Eigenarten und französischer Marotten wirke Karambolage im Sinne des ARTE-Sendungsbewusstseins integrativ, so die damalige Begründung der Jury.

Was ist Interkulturalität?

Interkulturalität ist ein zentrales Thema unserer Zeit, denn das Zusammenleben verschiedener Kulturen auf engem Raum kennzeichnet moderne Gesellschaften. Die sich daraus ergebenden Probleme und Konflikte stehen auf der Tagesordnung nationaler und internationaler Politik.

Der Begriff Interkulturalität lässt sich seiner Etymologie nach aus dem Lateinischen ableiten. Das Präfix inter steht für unter, zwischen. Das Nomen cultura unterlag mit der gesellschaftlichen Entwicklung einigen Veränderungen. Wurde es zunächst für Feldbau und Bodenbewirtschaftung eingesetzt, bildete sich aus dem Sprachgebrauch im Laufe der Zeit auch eine weitere Bedeutung, und zwar die der Pflege, vor allem geistiger Güter.
Diese zweite Bedeutung spiegelt sich auch im heutigen Verständnis des deutschen Adjektivs kultivieren wieder, welches unter anderem menschlicher Gesittung annähern, verfeinern oder pflegen meint. Aus der Zusammenführung des Präfixes inter und des Nomens cultura entwickelte sich erst vor einigen Jahren eine neue Begrifflichkeit. Das Adjektiv interkulturell, mit der Definition „mehrere Kulturen betreffend, ihnen gemeinsam, sie verbindend“, wurde 2004 erstmals in den deutschen Rechtschreibduden aufgenommen.

Heutzutage beschreibt Interkulturalität im Deutschen wohl allgemeinhin das Aufeinandertreffen zweier oder mehrerer Kulturen, die sich vermischen oder überlagern können. Durch Überschneidungssituationen entsteht ein dynamisches Interaktionsverhältnis zwischen Eigenkultur und Fremdkultur.

Interkulturalität ist nicht zu verwechseln mit Multikulturalität oder Transkulturalität!

Was sind interkulturelle Fernsehformate?

Interkulturalität bezeichnet also ein Zusammentreffen verschiedener Kulturen. Im Bereich der Medien kann dieses Konzept vor allem anhand der Produktion spezifischer Medieninhalte belegt werden.

Interkulturelle Fernsehformate zeichnen sich durch ihren integrativen Charakter aus, da sie dem Rezipienten die Möglichkeit bieten, kulturelle Vielfalt in allen Facetten zu erfahren, ohne in direkte Interaktion zu treten.
Es handelt sich bei diesen medialen Inhalten nicht nur um die Übertragung von Opern und Konzerten oder die Berichterstattung von Vernissagen. Neben der Hochkultur spielen hier vor allem die Vermittlung von Alltagskultur (wie Wohn- oder Esskultur) und regionaler Lebensweise (beispielsweise der zwischenmenschliche Umgang) eine wichtige Rolle.
Interkulturelle Fernsehformate greifen Stereotype auf, beleuchten diese aus den verschiedensten kulturellen Perspektiven und geben dem Rezipienten damit die Möglichkeit, eigene Klischees und Vorurteile kritisch zu hinterfragen. Er soll für ein kulturelles Bewusstsein sensibilisiert werden, das weit über die nationalen Grenzen hinausgeht.

Mehrsprachigkeit ist ein wichtiges Element interkultureller Produktionen, denn Kultur und Kommunikation stehen in einem direkten Zusammenhang.

Beispiele für interkulturelle Fernsehformate

Neben dem Programm des Kulturkanals ARTE, können weitere Beispiele für interkulturelle Fernsehformate in der deutschen Medienlandschaft angeführt werden. Die Hauptprogramme der Fernsehsender ARD und ZDF stellen vor allem mit ihren Magazinen ein reichhaltiges Kulturangebot. Als Forum des regionalen kulturellen Lebens präsentieren sich die Dritten Fernsehprogramme. Und auch bei 3sat gehört Kulturvermittlung zu den wesentlichen Aufgaben.

Interkulturelle Fernsehformate sind nicht zu verwechseln mit Ethnomedien!

Interkulturelle Fernsehformate haben Vorbildcharakter

Interkulturelle Fernsehformate haben Vorbildcharakter, weil sie ethnische Vielfalt als gesellschaftliche Normalität darstellen und Kulturen aus ganz verschiedenen Perspektiven beleuchten. Sie tragen damit zum Abbau von Vorurteilen und Stereotypen bei und können Rezipienten zur Ausbildung interkultureller Kompetenzen befähigen, setzen jedoch die Bereitschaft zum Umdenken voraus.
Vor allem das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat sich, mit seinem stetig wachsenden Angebot an spezifischen Inhalten, zu einem Vermittler von Kultur entwickelt. Es leistet einen wichtigen Beitrag zur Filmförderung, stiftet Film-, Fernseh- oder Hörfunk-Preise für kulturelle Medienleistungen oder beteiligt sich an der Produktion.

 

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