Zum Inhalt springen

ARTE im interkulturellen Spannungsfeld

Form und Funktionen des Fernsehjournalismus unterscheiden sich in Europa. Kulturvergleichende Studien, die sich entweder an einem qualitativen oder einem quantitativen Forschungsansatz orientieren, geben Auskunft über länderspezifische Kulturstandards.

Die deutschen und französischen Mitglieder

ARTE befindet sich mit seinen deutschen und französischen Mitgliedern in einem Spannungsfeld, das nicht nur von verschiedenen Kulturen sondern auch unterschiedlichen Medienstrukturen geprägt ist.

In Frankreich herrscht die Auffassung von Rundfunk als einem Instrument staatlicher Informations- und Kulturpolitik vor. ARTE wird als Teil der auswärtigen Kulturpolitik gesehen, die zum Ziel hat, die französische Kultur und deren Werte zu verbreiten.
Diesem institutionell geprägten Verständnis, als einen kulturellen aber auch politischen Sender, steht die deutsche Auffassung gegenüber, den Fernsehkanal eher als Forum des interkulturellen Dialogs zu verstehen, mit dem vor allem europäische Werte und Sichtweisen vermittelt werden sollen.

Auch das Selbstverständnis deutscher Autoren, Produzenten und Journalisten, und damit Stil und Form von Moderation und Präsentation, unterscheidet sich von dem des französischen Partners.

Darüber hinaus gibt es aufgrund der nationalkulturellen Sehgewohnheiten Unterschiede in den Programmstrukturen. Während in Frankreich beispielsweise das Abendprogramm erst gegen 20:45 Uhr nach den Nachrichtenjournalen der nationalen Hauptprogramme beginnt, startet in Deutschland die sogenannte Primetime bereits um 20:15 Uhr.

ARTE als Vermittler zwischen den Kulturen

Trotz dieser unterschiedlichen, national geprägten Auffassungen, schafft es der Kanal ARTE, die verschiedenen Mediensysteme und Kulturen miteinander in Einklang zu bringen und damit ein europäisches Publikum anzusprechen. Die Produzenten haben erkannt, dass sich gegensätzliche kulturelle Elemente nicht ausschließen müssen. Das Spannungsverhältnis innerhalb der Strukturen von ARTE führt zu einen dynamischen Prozess, aus dem neue interkulturelle Elemente entstehen.

Das verbindende Moment

In einem Punkt sind beide Partner jedoch derselben Auffassung und unterscheiden sich somit sowohl in Deutschland als auch in Frankreich von den einheimischen Programmverantwortlichen. Während diese die jeweils nationale Perspektive in den Fokus rücken, bevorzugt ARTE einen multiperspektivischen Blick auf Ereignisse oder Entwicklungen. Autoren, Regisseure und Produzenten aus anderen Ländern sollen mit ihren eigenen Worten und Bildern ihre jeweiligen Lebensverhältnisse beleuchten oder ihre Geschichten erzählen. So ist ARTE bemüht, in seinen Programmen die unterschiedlichen Identitäten zu wahren, zu zeigen, in Kontrast zu setzen und Europa in all seinen Facetten zu beleuchten. Der Rezipient soll in die Lage versetzt werden, sich kritisch mit europäischen Themen auseinanderzusetzen und seine nationale Sichtweise zu erweitern.

Unabhängig davon wo ein Programm entsteht wird immer auf Deutsch und Französisch, jeweils mit der anderen Sprache untertitelt, ausgestrahlt. Das deutsche Programm kann über Osteuropa bis nach Südkorea empfangen werden, während das französische Programm über den Mittelmeerraum bis nach Nordafrika ausgestrahlt wird.

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Kommentar verfassen

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst Du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen